Drehen mit DV (Digital Video)

Hans Weingartner

ich glaube, jeder der irgendwie mit film zu tun hat sollte den "dogma" hype vergessen und mal überlegen, was "auf dv drehen" bedeutet, vor allem für das filmemachen im allgemeinen. meiner meinung nach geht hier eine revolution vonstatten dessen auswirkung sich die meisten noch gar nicht bewußt sind.

 

 

auf dv zu drehen bietet mir die möglichkeit, mich voll und ganz auf die schauspieler und die geschichte zu konzentrieren. Das meiste an verwaltungsarbeit und planungsablaufarbeit fällt weg. Es ist sogar möglich vollkommen alleine als regisseur, der auch geleichzeitig die kamera bedient, nur mit den schauspielern zu arbeiten, vollkommen ungestört. Ich habe es selbst schon mehrmals ausprobiert, auch beim "weissen rauschen", und finde es wunderbar befreiend, nicht für mich und meine ideen, sondern auch für die schauspieler. Die schauspieler fühlen sich vollkommen vom druck befreit, denn es ist niemand mehr da der sie beobachtet, und keine uhr mehr da die gegen sie läuft. Der regisseur schafft es so viel leichter die schauspieler vergessen zu machen daß er überhaupt da ist. Und ihnen die Angst zu nehmen. Diese kleinen dv kameras sind so wunderbar unauffällig und wirken so herrlich harmlos.

Ausserdem braucht man keine drehgenehmigungen mehr. der ganze scheiss papierkram fällt weg. Beim "weissen rauschen" bin ich zum beispiel einfach mal in den karstadt gegangen mit meiner hauptdarstellerin und hab sie gefilmt wie sie ein paar babysachen klaut. Niemand hat sich beschwert oder ärger gemacht, im gegenteil die angestellten haben uns sogar geholfen den alarm am ausgang auszulösen (ging von selbst nicht los). Wir haben die sachen dann zurückgestellt und waren fertig.

Sehr schön finde ich auch die szenen in der u-Bahn und im bahnhof. Man merkt einfach daß das keine statisten sind im hintergrund, sondern die wirklichen leute. Ich krieg das lebensgefühl einer stadt und einer zeit so 100% mit. Der Hauptdarsteller verirrt sich und läuft auf einer baustelle rum, wo er von den bauarbeitern angemacht wird - sowas kann man sich auch ausdenken aber wenn es tatsächlich passiert und man es mit eienr dv-kamera mitfilmt, "atmet" es wirklichkeit, es ist von wirklichkeit gesättigt.

Auf dv zu drehen heisst keineswegs nur rauschende, graue-pixelige bilder zu erzeugen. wenn man halbwegs ein gefühl für bilder hat und mit offen augen und wachem geist durch die welt dreht entdeckt man die schönsten bilder.

 

 

Ich kann jedem regisseur empfehlen zumindest einmal im leben auf DV zu drehen. man lernt dabei mit geringen mitteln eine geschichte zu erzählen. ohne den ganzen schnick schnack der filmtechnik. und man lernt sich auf die geschichte und die schauspieler zu kontrollieren. auf das wesentliche eben.